Historie
27 Jahre Würzburger FV - eine echte Erfolgsstory im deutschen Amateurfußball
15. Mai-22.Mai 1981: „Der FV 04 ist tot, es lebe der Würzburger FV!“ („Main-Post“, Würzburg)
Nach turbulenten Wochen war der Gang des mit einem Schuldenberg von 2,5 Millionen DM belasteten Traditionsvereins aus dem Würzburger Stadtteil Zellerau zum Konkursrichter nicht mehr abzuwenden.Traditionsbewusste „Nullvierer“ um Viktor Müller hoben nur einige Tage später, am 22.Mai 1981, einen neuen Verein aus der Taufe, dessen Wurzeln sich bereits am Namen erkennen ließen, den Würzburger FV. Der Neuanfang gestaltete sich äußerst schwierig. Das „Stadion an der Frankfurter Straße“ fiel als Konkursmasse an die DJK Würzburg. Nach den Zusagen einiger Spieler des ehemaligen Bayernliga-Teams des FV 04, sich dem Nachfolgeverein anzuschließen, wurde beim Verband die Teilnahme am Landesliga-Spielbetrieb beantragt. Man rechnete fest mit einer Zusage. Doch es kam anders. Die Verbandsspitze beließ lediglich die Jugendmannschaft in der Bayernliga. Das bedeutete für die erste Mannschaft einen Neuanfang in der C-Klasse. Demzufolge verließen weitere Akteure den Verein und wechselten zu anderen Klubs.
C-Klasse Würzburg, Saison 1981/1982: geduldeter „Gast“ an der Frankfurter Straße
Abteilungsleiter Rudi Schehr und sein neugeschaffenes Team trugen die Heimspiele der Saison 1981/1982 noch im „Stadion an der Frankfurter Straße“ aus, wo der WFV nicht mehr war als ein geduldeter Gast. Am Ende der Saison erreichte das von Elmar Wagner trainierte Team den dritten Rang.
1982-1986: vom DJK-Gelände zur „Sepp-Endres-Sportanlage“
Vor Beginn der nächsten Runde musste der Verein umziehen. Nachdem die DJK das „Stadion an der Frankfurter Straße“ übernommen hatte, verblieb dem WFV das ehemalige DJK-Gelände an der Mainaustraße – ein Rotgrand-Platz. Sportlich ging es jedoch bergauf. Die Mannschaft wurde in der Spielrunde 82/83 ungeschlagener Meister und stieg in die B-Klasse auf. Auch dort verkaufte sich der Würzburger FV teuer, und erreichte am Ende der Saison 83/84 einen beachtlichen dritten Platz.
Am 2. Dezember 1983 wurde Georg Rosenthal an die Spitze des Vereins gewählt. Die Abteilungsleitung übernahmen Claus Göbel und Bernd Dölling. 1984 wurde das Erbbaurecht für das ehemalige DJK-Gelände an der Mainaustraße von der Stadt abgelöst. Dieses ging für 70.000 DM endgültig in den Besitz des WFV über.
1985 wurde mit dem Bau eines Rasenspielfeldes und eines Kunstrasenplatzes begonnen, unter großem Engagement der Mitglieder. 6000 Arbeitsstunden wurden geleistet, ehe die Gesamtfläche von 25000 Quadratmetern umgestaltet, eine Beleuchtungsanlage, eine Stehtribüne, Barrieren und Ballfangzäune installiert waren. Das erste Spiel auf dem Rasenplatz wurde im September 1986 vor rund 1300 Zuschauern gegen die TG Höchberg ausgetragen und endete mit einer 0:1 – Niederlage.
Der neu verpflichteten Trainer Jürgen Stahl führte die erste WFV-Mannschaft in der Saison 84/85 zur Meisterschaft in der B-Klasse Würzburg.
1985-1986: grandiose sportliche Erfolge
Zur allgemeinen Überraschung erreichte der FV nach guten Leistungen in der A-Klasse am Ende der Runde 85/86 den 2. Platz. Vor 1400 Zuschauern in Gerbrunn schlug das Team Unterpleichfeld im ersten Relegationsspiel mit 2:0. Der 3:0-Sieg im zweiten Entscheidungsspiel in Bischbrunn über Mönchberg machte den Aufstieg in die Bezirksliga (Bezirksliga „West“) perfekt.
Mit dem neuen Trainer Erich Bahr übertraf man das gesetzte Ziel der Saison 1986/87, den Klassenerhalt in der Bezirksliga West und erreichte mühelos einen Platz im gesicherten Mittelfeld. Die im Durchschnitt 21 Jahre junge Mannschaft gewann die Herzen von oftmals mehr als 400 Zuschauern je Heimspiel und schuf sich ein treues Stammpublikum, um das der WFV noch heute von vielen anderen Klubs beneidet wird.
1987-1991: die Bezirksoberliga Unterfranken und Aufstiegsambitionen zur Landesliga
In der Bezirksliga-Saison 87/88 musste das Team unter Trainer Bernd Göbel dem SV Bergtheim mit dem Trainer Otmar Bauer den Vortritt beim Aufstieg in die Landesliga lassen, erreichte aber die Qualifikation für die neu gegründete Bezirksoberliga. Auch in dieser neuen Liga mischte Bernd Göbel mit seinem Team oben mit. Das entscheidende letzte Saisonspiel bei der TG Höchberg vor 1500 Zuschauern ging jedoch mit 0:1 verloren. So beendete man dann die erste Bezirksoberliga-Saison 1988/89 auf Rang 3.
In der Saison 89/90 kam Otmar Bauer und brachte neuen Schwung. Die starken Konkurrenten Hassfurt und Helmstadt schafften jedoch verdient den Sprung in die Landesliga und vereitelten dadurch das Erreichen des Saisonziels des WFV.
In der Bezirksoberliga-Saison 1990/91 entledigte sich endlich das Team um Trainer Otmar Bauer und Spielmacher Christian Förster des Rufes des „Ewigen Dritten“ und errang die Meisterschaft in beeindruckender Manier. Im 10. Jahr des Vereinsbestehens war der erhoffte Aufstieg in die Landesliga Nord endlich realisiert.
1991-1999: sieben bewegte Jahre in der Landesliga
Nach sieben Jahren Landesliga mit zwei Relegationsspielen um den Aufstieg in die Bayernliga in der Saison 96/97 und 97/98, in denen man jeweils scheiterte, war man unter dem neuen Trainer Paul Hupp in der Saison 1998/99, 18 Jahre nach Neugründung des Vereins, endlich dort angelangt, wo der FV 04 bis zu seiner Auflösung war – in der Bayernliga.
1999-2001 Große sportliche Erfolge mit Trainer Dieter Noack
Dieter Noack (14 Europapokal-Spiele für FC Carl Zeiss Jena) kam ab der Saison 1999/2000 über den SV Heidingsfeld in die Mainaustraße. Nach einem Fehlstart sahen die Zuschauer eine Saison zwischen Hoffen und Bangen mit unbeständigen Leistungen des WFV-Teams. Erst am letzten Spieltag sicherte Manuel Endres seiner Mannschaft mit dem Siegtreffer gegen die SpVgg Landshut den 13. Rang und damit den Klassenerhalt. 737 Zuschauer passierten im Schnitt die Tore der Sepp-Endres-Sportanlage zu den Heimspielen der Saison 1999/2000. Manuel Endres verabschiedete sich als Torschützenkönig der Liga von seinen Fans, um bei Eintracht Braunschweig eine Profilaufbahn zu beginnen.
Mit Beginn der Runde 2000/2001 wechselte zum vierten Mal in der Vereinsgeschichte die Führung des Würzburger FV. Klaus Lampert löste Peter Grimm nach fünf Jahren an der Spitze des Zellerauer Arbeitervereins ab. Die Krönung der hervorragenden Arbeit von Dieter Noack war, neben der vorzeitigen Sicherung des Klassenerhalts, das Erreichen des Toto-Pokal-Finales auf Landesebene und damit die Qualifikation für die 1. DFB-Pokal-Hauptrunde. Bei der Auslosung hatte der WFV das Glück auf seiner Seite. Vor einer beeindruckenden Kulisse von 10000 Zuschauern im „Dallenberg-Stadion“ verlor man jedoch zu Beginn der folgenden Saison 2001/2002 in einer sportlichen Lehrstunde das Pokalspiel 0:10 gegen den TSV 1860 München, der mit allen seinen Stars angetreten war.
2001-2003: Stürmische Zeiten und ein wirtschaftlicher Neuanfang: Beginn der zweiten „Ära Rosenthal“
In der Saison 2001/2002 konnte unsere Elf die Vorgaben des neuen Trainer-Duos Reiner Wirsching / Jochen Seuling nicht richtig umsetzen. Unbeständige Leistungen gipfelten nach einer bitteren 1:7-Heimniederlage gegen Quelle Fürth im Rücktritt des Trainergespanns. Man wurde sich schnell mit dem „Alten“ Trainer, Dieter Noack, einig. Es gelang aber auch ihm nicht, den Abstieg zu verhindern, den ersten Rückschlag in der nunmehr bereits 20-jährigen Vereinsgeschichte.
Doch sollte dieser in der Landesliga-Saison 2002/2003 in einer eindrucksvollen sportlichen Trendwende münden: mit einem sagenhaften Punkte- und Torekonto (90 Punkte, 103 Tore) sicherte sich der WFV schon fünf Spieltage vor Schluss die Meisterschaft und die direkte Rückkehr ins bayerische Fußball-Oberhaus. Während der Saison stellten sich jedoch starke finanzielle Probleme, die über Jahre durch Fehlplanungen verursacht wurden, heraus. An die Spitze des Vereins kehrte der Ehrenvorsitzende Georg Rosenthal zurück. Mit ihm zusammen übernahmen die jungen, aber erfahrenen Vereinsinsider Markus Amann und Roland Metz das Vorstandsruder in die Hand. Innerhalb kurzer Zeit gelang es dem Trio, die drohende Insolvenz des Vereins abzuwenden und mit einem fundierten Finanzierungsplan den Spielbetrieb für die neue Bayernliga-Saison sicherzustellen.
2003-2005 Auf- und Ab, Freud und Leid in einer „Zwischenphase“
Der WFV startete nach kurzer Unterbrechung in das vierte Jahr Bayernliga (Saison 2003/2004) mit einer Mannschaft, die sich aus erfahrenen Kräften der abgelaufenen Saison und Talenten aus den eigenen Reihen und der Region zusammensetzte. Angesichts der vergangenen kritischen Monate gab man der finanziellen Gesundung des Vereins Vorrang vor Investitionen in die Mannschaft. Der neue Trainer Stefan Heisler startete mit seinem jungen Team (Altersdurchschnitt unter 22 Jahren) verheißungsvoll. Allerdings folgten Niederlagen oft nur Unentschieden, was sich auf Grund der „3-Punkte-Regel“ letztlich als verhängnisvoll erwies. Dazu kamen Punktverluste gegen direkte Abstiegskonkurrenten. Auch der Trainerwechsel zum Duo Reiner Neumann / Hans-Jürgen Schäffer konnte nicht mehr die erhoffte Wende bringen, sorgte aber dafür, dass schon frühzeitig mit dem für die folgende Saison verpflichteten Trainer Michael Hochrein eine schlagkräftige neue Mannschaft geformt werden konnte.
Mit einem 37-köpfigen Kader für die Landes- und Bezirksliga-Mannschaften, davon 28 (!) Spieler, die aus der eigenen Jugend stammten, startete Michael Hochrein in die Saison 2004/2005. Das Team, von Michael Hochrein in Sachen Taktik, Spielfreude und Motivation während der ganzen Saison glänzend in Szene gesetzt, errang am Pfingstmontag 2005 gegen den Konkurrenten um den Wiederaufstieg Bayern Hof, der die Saison mit Vollzeittrainer und vielfachem Etat im Vergleich zum WFV bestreiten konnte, auf der Sepp-Endres-Sportanlage vor 3000 Zuschauern den nötigen Tabellenvorsprung zum Meistertitel. Mit einer Rekordmarke, wie 2 Jahre zuvor, von 90 Punkten erreichte man den direkten Wiederaufstieg in die Bayernliga.
2005-2008: Michael Hochrein und der WFV als feste Größen in der Bayernliga, höhere Ziele
Mit einer Mischung aus einigen Routiniers und vielen jungen Spielern starteten die Zellerauer, auf Michael Hochreins Trainerkünste vertrauend, in das Bayernliga-Jahr 2005/2006. Geführt von seinem herausragenden Spielmacher Jochen Schinagel, sicherlich einem der besten Spieler in der Vereinsgeschichte des WFV, gelang dem jungen Bayernligateam ein traumhafter Saisonauftakt mit 7 Punkten aus 3 Spielen. Gegen Feucht errang man endlich am 3. Spieltag nach über 3 Jahren (April 2002) den ersten Bayernliga-Auswärtssieg. Trotz einer Serie von 8 Siegen in Folge als Aufsteiger verzichtete der WFV auf die Antragsstellung für eine Regionalliga-Lizenz. Der Klassenerhalt wurde mit 44 Punkten bereits nach 23 Spielen erreicht. Über ein halbes Jahr, seit 22.Okt. 2005, war die 1. Mannschaft in 13 Plichtspielen ungeschlagen (bis 30.April 2006). Die Serie der Heimsiege währte von Oktober 2005 bis zum 20. Mai 2006. Da durchbrachen die Aufsteiger auch die 60-Punkte-Grenze. Die Saison endete mit einem beachtlichen 3. Tabellenplatz. Spielertrainer Christian Breunig sicherte dem WFV mit seinem Fohlenteam am fünftletzten Spieltag die Meisterschaft der Bezirksliga / Gruppe 1 und damit den Aufstieg zur Bezirksoberliga. Die II. Mannschaft konnte auch eine beispiellose Siegesserie bejubeln: 17 gewonnene Spiele in Folge, 16 von 17 Heimspielen wurden gewonnen! Die Jungs der U-17 schafften obendrein den direkten Wiederaufstieg in die Bayernliga Nord.
Am 20.August 2006, zu Beginn der Bayernliga-Saison 2006/07, hielt der WFV erstmals seine daheimgebliebenen Fans mittels eines Internet-Livetickers über den Verlauf eines Auswärtsspiels (3:0-Sieg beim SC Feucht) auf dem Laufenden. Gegen den FCN II erzielte Sascha Göbel ein Freistoßtor von der Mittellinie aus. Die ARD-Sportschauzuschauer wählten dieses 50 Meter-Tor zum „Tor der Woche“. Nach diesem unvergesslichen 4:0-Sieg hatte der WFV nunmehr 364 Tage zu Hause nicht mehr verloren. Nach einer Negativserie von 8 sieglosen Spielen erkämpfte sich die Mannschaft erst im März 2007 wieder einen Sieg und brachte sich wegen sehr wechselhafter Leistungen im weiteren Saisonverlauf zunehmend selbst in Zugzwang. Erst am 19.Mai erlöste Markus Lützler durch sein Tor in einem denkwürdigen Spiel erneut gegen den FC Bayern Hof den WFV und seine Fans: der Klassenerhalt war gesichert! Nach weiteren Siegen in Unterhaching und daheim gegen Fürth fand sich das Team auf dem 9. Platz der Abschlusstabelle wieder. Man gab sich jedoch mit dem guten Tabellenplatz in der Bayernliga allein nicht zufrieden: nach dem Sieg im Toto-Pokal-Finale des Kreises Würzburg (6:1 in Karlburg) und einem 2:0-Erfolg daheim gegen den Ligakonkurrenten Großbardorf zog der WFV im Mai in das unterfränkische Pokalfinale ein. Mit einem 2:1-Sieg gegen Haibach errang man auch diesen wertvollen Titel. An Christi Himmelfahrt 2007 ebnete schließlich Markus Lützler den Weg zum Halbfinale auf Landesebene. Durch einen sensationellen 7:2-Sieg bei Landesligist TSV Nördlingen qualifizierte man sich für die 1. Hauptrunde im DFB-Pokal. Im Rahmen des „Aktuellen Sportstudios" des ZDF loste am 30.Juni 2007, 23.43 Uhr, die Nationaltorhüterin Silke Rottenberg dem WFV als Gegner für sein Heimspiel in der 1. DFB-Pokal-Hauptrunde unter großem Jubel der Fans im Biergarten an der Mainaustraße Felix Magaths und Bernd Hollerbachs Bundesligateam des VfL Wolfsburg zu. Bei der Auslosung drückten die Gäste des Vereinsvorsitzenden Georg Rosenthals, keine geringeren als Vizekanzler Franz Müntefering und seine Gattin, die Daumen. Fast unerheblich erschien es, dass der WFV den Titel des Bayerischen Pokalsiegers (2006/07)in Seligenporten durch eine 0:1-Niederlage verspielte. Beim großen Pokalfest im „Stadion am Dallenberg“ schlug sich das WFV-Team tapfer und unterlag dennoch den überlegenen Wolfsburgern mit 0:4 Toren. Schmerzhaft war dagegen die Niederlage im Toto-Pokal-Wettbewerb 07/08 beim Kreisligisten TSV Rottendorf. Leichtfertig wurden hier große sportliche und auch finanzielle Perspektiven, zumindest für die laufende Saison, vergeben. Mit 16 Punkten aus 8 Spielen legte das Bayernliga-Team einen fast perfekten Saisonstart hin, erarbeitete sich bis in den Herbst hinein, nicht zuletzt durch einige unerwartete Auswärtserfolge, ein vermeintlich ausreichendes Punktepolster. Man brachte sich dann aber durch bittere Niederlagen bis zur Winterpause in die Nähe der Abstiegsränge. Bereits im Februar 2008 verlängerten Trainer Michael Hochrein und Keeper Ralf Scherbaum ihre Verträge beim WFV, was frühe Planungssicherheit für kommende Aufgaben gewährleistete. Mit den zur Winterpause gewonnenen Verstärkungen Martin Kleinschrodt, Zajo Desic und Roland Sternisko konnte man im neuen Jahr bis zum wichtigen, hochdramatischen 2:1-Heimsieg gegen den Aufstiegskandidaten zur geplanten neuen Regionalliga, Großbardorf, im April wichtige Punkte gegen den Abstieg sammeln. Eine unerklärliche Schwächephase mit zuvor nie gekannten bitteren Heimniederlagen machten den Kampf um den Klassenerhalt unerhört spannend. Dieser war erst mit dem vielumjubelten Siegtreffer von Zajo Desic im letzten Saisonspiel in Thannhausen gesichert.
Fortsetzung folgt...



